Die permanente temporäre Lösung

Posted by on Jan 19, 2014 | No Comments
permanente temporaere loesung

Wie im Artikel zum Tooling beschrieben ist eine temporäre Lösung in den meisten Fällen besser als gar nichts. Ob es um eine Website geht, einen Produktprototypen oder eine vorläufige Vereinbarung. Hauptsache ich habe einen ersten Anhaltspunkt um zu verstehen was ich letzten Endes wirklich brauche, etwas das einige Grundbedürfnisse der finalen Lösung bereits abdeckt, die es später ablöst. Manchmal wird diese temporäre Lösung, die wir nur als Krücke gebrauchen wollten, niemals abgelöst. Es entsteht eine permanente temporäre Lösung.

Dies kann mehrere Gründe haben. Der Erfreulichste ist natürlich, wenn die temporäre Lösung bereits alle Bedürfnisse ausreichend abdeckt. Sie mag nicht perfekt sein, aber sie weiter zu verbessern rechtfertigt den Zeitaufwand nicht. Toll! Dadurch das wir uns entschieden haben eine temporäre Lösung einzusetzen haben wir das Problem auf ausgesprochen schlanke Weise gelöst. Häufig spricht man hier auch vom Erreichen des Minimum viable product, also einem minimal lebensfähigen Produkt. Ein minimum viable product ist der Schuhabsatz mit dem wir behelfsmässig einen Nagel in die Wand schlagen weil wir am Wochenende gerade keinen Hammer im Haus haben. Oder das alte Buch mit dem wir den Monitor aufbocken, anstelle eine Monitorhalterung zu bestellen, die wir noch montieren müssten. Oder eine einfache wordpress-website die wir in Minuten online haben, bevor wir eine Agentur beauftragen. Wenn sie ihren Zweck erfüllen braucht es für das spezifische Problem keine weitere Lösung.

Andere permanente temporäre Lösungen hingegen sind unglücklicher, nämlich wenn Uneinigkeit herrscht um was von beidem es sich nun tatsächlich handelt. Ein klassisches Beispiel ist eine fehlende Differenzierung zwischen Produkt und Prototyp. Um schnell etwas Vorzeigbares zu haben hat beispielsweise die Produktion einen Prototypen hergestellt, der Management und Kunden vermitteln kann, was potenziell möglich ist. Überlegungen die in ein tatsächliches Produkt fließen – Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit, Abhängigkeiten und Aufwand, um nur einige Beispiele zu nennen – haben hier keinen Platz. Dies muss aber allen Beteiligten auch klar sein, selbst wenn sie nicht den Sachverstand haben, die fehlenden Funktionen und Eigenschaften zu erkennen. Andernfalls verursacht ein eine permanente temporäre Lösung viel zusätzlichen Aufwand um die ausgelassenen Überlegungen nachzuholen – in den meisten Fällen fällt es schwer einen Prototypen der schon im Betrieb ist und viel Wartung erfordert nachträglich wirtschaftlich zum Arbeiten zu bekommen.

Permanente temporäre Lösungen können ein glücklicher Umstand sein, aber es ist wichtig zu beachten, wie sie entstanden sind. Welche  Projekte in Eurem Umfeld sind auf einem der beiden Wege permanent geworden?

Berthold Barth
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