RuhrSummit 2016

Posted by on Aug 2, 2016 | No Comments

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Vorweg kann man sagen: es zeigt, dass Essen als Startup Stadt noch Luft nach oben hat, wenn unter den Finalisten des RuhrSummit Pitch Contest hauptsächlich Gründer aus anderen Städten (immerhin aus NRW) auftauchen. Doch was dem Orgateam um Oliver Weimann und Carmen Radeck gelungen ist, ist herausragend: insgesamt haben 650 Leute am Tag des Events die Zeche Carl besucht. Ein Rekord für Essen, ein Rekord für das Ruhrgebiet. Und es sollte nicht nur eine starre Pitchveranstaltung werden. Neben Probemöglichkeiten für den großen Moment bot der Ruhr Summit zahlreiche Fachvorträge zu Themen wie lean startup, bootstrapping, Marketing, Tools zur Skalierung usw. und den direkten Dialog mit potentiellen Investoren im Speed-Dating. Die Dichte an Impulsen war kaum zu durchdringen, wie für jede hervorragende Veranstaltung galt auch beim RuhrSummit, spannende Themen zugunsten noch Spannenderer auslassen zu müssen.

Zusammen mit Ingo Wieland von Seedmatch war ich eingeladen, den Teilnehmern das Thema Crowdfunding näher zu bringen. Dabei konzentrierte sich Ingo gemäß des Schwerpunkts seines Arbeitgebers auf das equity-based crowdfunding, oder auch crowdinvesting, bei dem Unterstützer eine stille Beteiligung an einem Unternehmen erwerben, durch die sie auf Rendite hoffen. Ich erzählte dann zum reward-based crowdfunding à la kickstarter etwas aus meinen Beobachtungen von rd. 500 Kampagnen in Deutschland.

Einige Highlights, auf die wir im Vergleich eingingen: crowdinvesting setzt auf einen starken Business Plan und eine überzeugende Idee um Unterstützer zu gewinnen. Beim crowdfunding ist eine gute Kalkulation wichtig, entscheidender sind aber Präsentation der Idee und Gründer. Auch die Summen sind andere: während crowdinvestoren in ein Unternehmen investieren, tragen backer nur zum konkreten Projekt bei. So endet realistisch erwartbares Funding bei letzterem spätestens bei 50.000€, während Investments in die Millionen gehen können. Diese und weitere Unterscheidungsmerkmale machen es wichtig, sich bereits früh mit der Frage auseinander zu setzen, was das Ziel sein soll – und die Plattform entsprechend zu wählen.

Sehr erfreulich, dass im Anschluss gleich mehrere Startups meine Beratung suchten – bevor sie mit ihrer Kampagne auf einer der crowdfunding Plattformen live gingen (im Gegensatz zu währenddessen).

Mein persönliches Highlight: Raul Krauthausen, selbsterklärter Glasknochenbesitzer und unter anderem mit Sozialhelden Champion für Teilhabe. Fast 300.000 Unterzeichner gewann er für seine Kampagne für eine Reform des Teilhabegesetzes in Deutschland, dass Menschen mit Behinderung grundlegende Rechte wie ein lebenswertes Einkommen und eine finanzielle Absicherung einräumen soll. Aber darum sollte sein Vortrag gar nicht im Kern gehen. Ein wichtiger Aufruf von Raul war an die Startups gerichtet: Denkt mal Analog. Denkt mit den Händen, mit Holz und Aluminium. Als Beispiel führte er den Lidl-Pfandautomaten an, an dem ein Spendenknopf erst für Verwirrung und nach „Reparatur“ mit einem dramatischen Abfall der Spendebereitschaft sorgte. Seine Alternative: Eine Box, in die Pfandbelege eingeworfen werden können – auch haptisch ein besseres Gefühl, und wesentlich erfolgreicher. Diese Hinweise kann ich vor allem den Startups wärmstens empfehlen, die kaum bis keinerlei zahlende Kundschaft vorweisen konnten. Das ist die ganze Idee eines Startups: prüfen, ob Menschen für das Produkt Geld in die Hand nehmen wollen. Je früher, desto besser, das hilft auch argumentativ. Ein Investor möchte das Geld schließlich nicht in eine Idee investieren, sondern in ein funktionierendes Geschäft.

Meine Wünsche für das nächste Mal: Eine Coaching Klinik, in der Experten Startups bei konkreten Problemen beraten können. Und mehr Twitter. Ansonsten ein Event, an dem sich viele eine Scheibe abschneiden können – und sollen. Freue mich auf das nächste Jahr und danke den Organisatoren, all jenen, die mit Ihrer Zeit dazu beigetragen haben und natürlich auch den Sponsoren, allen voran Amazon web services und Deutsche Bank dafür, dass Sie den Ruhr Summit möglich gemacht haben.

Berthold Barth
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