Team Arschkarte

Posted by on Aug 3, 2016 | No Comments

Jedes Team, ob Entwicklung oder ein anderes, hat nur eine begrenzte Leistung zur Verfügung. Agile Methoden wie Scrum zielen darauf ab (und auch normales Projektmanagement sollte das tun) das das für das Unternehmen finanziell und strategisch Wichtigste zuerst umgesetzt wird. Das bedeutet immer auch, das manche Themen jetzt nicht umgesetzt werden, sondern erst, wenn das Wichtigste erledigt ist. Durch weiter hinzukommende Themen die entsprechend einpriorisiert werden kommt es früher oder später zu Themen, die nie umgesetzt werden. Dennoch haben diese Themen Stakeholder, die mitunter kreative Wege finden solche faulen Äpfel entgegen der Prioritäten des Unternehmens umgesetzt zu bekommen.Ein aktuell häufig geäusserter, vermeintlicher Lösungsansatz ist, Einzelne abzuziehen, die alleine die Themen übernehmen. Erwartung ist dann, das nach der Bearbeitung das Thema an Wichtigkeit gewinnt oder von einem Team übernommen werden kann, weil es eine notwendige Reife erreicht hat. Diese Lösung soll selbstverständlich nur übergangsweise sein.

Das Problem mit dieser Lösung ist gleich dreigeteilt.

1. Durch die Einzelstellung eines Bearbeiters findet keine Qualitätskontrolle durch ein Team mehr statt. Die Erwartung, das ohne Kontrolle eine gute Qualität und ein übergabefähiges Projekt entsteht ist ein Trugschluss. Der Effekt ist häufig, dass die Lösung erneut im Priotunnel abtaucht und der Kunde mit seinen Bedürfnissen allein gelassen wird. Oder, dass der “Ausputzer” langfristig in dem Projekt gefangen bleibt. In eigenen Projekten habe ich dabei erst steigende Resignation und dann irgendwann die Kündigung erlebt, wenn sich bessere Optionen als das “Team Arschkarte” anderswo auftaten. Mit dem Effekt, dass das ungeliebte Projekt unfertig auf den nächsten Ausputzer wartet.

2. Ohne Kontrolle ist darüberhinaus zu erwarten, dass der Scope des Projektes, also die zu reparierenden “Fehler” und neue Featurewünsche, wächst und sich zunehmend miteinander vermischt. Damit steht zu befürchten, dass der Mitarbeiter länger als vereinbart aus dem Team wegfällt – er arbeitet an einem beweglichen Ziel.

3. Am Schwersten wiegt jedoch der Verlust an Leistung im Team selbst, wo nach wie vor an den Wichtigsten Aufgaben mit der vereinbarten höchsten Priorität gearbeitet wird. Die Entscheidung, einen Einzelkämpfer einzusetzen um das Team nicht mit einem faulen Zahn zu belasten, belastet das Team nun durch den fehlenden Mitarbeiter.

Gleiches gilt entsprechend für ganze Teams, die auf diese Weise abgezogen werden. Auch hier wird grundsätzlich der Mechanismus der Priorisierung untergraben und ad absurdum geführt. Jeden Vorzug den ich einem weniger wichtigen Thema gebe nehme ich gleichzeitig einem wichtigeren Thema weg, das entsprechend später fertig wird. Schlimmer noch, stelle ich das “wichtigere” Thema nur hinten an anstatt es in der Position mit dem weniger wichtigen zu tauschen, verschiebe ich auch alle! anderen Themen nach hinten. Habe ich hier Termine vereinbart ensteht ein Dominoeffekt an Aufgaben die nicht nach Plan fertig werden.

Projekte müssen grundsätzlich im Team bearbeitet werden – damit ist sichergestellt, dass die Qualität geprüft ist, eine Übergabe schon bei der Umsetzung stattfindet und das alle an Aufgaben arbeiten die für das Unternehmen finanziell und strategisch wichtig sind. Erfüllt ein Thema diese Kriterien nicht ist es unverantwortlich, es vor tatsächlich wertschöpfenden Themen umzusetzen.

Berthold Barth
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