Schluss mit Videokonferenzen

Ich weiß, ich weiß. Endlich habt Ihr euch nach Monaten Zuhause halbwegs eingerichtet. Der Stuhl aus dem Büro steht mitsamt Eurem Monitor in der Küche. Die Kinder klopfen an, wenn sie eine Frage haben statt plötzlich im Sichtfeld der Kamera zu erscheinen und Grimassen zu schneiden. Sogar der Hund hat sich angewöhnt, dass Frauchen zu Hause ist es aber trotzdem jetzt gerade nicht Gassi geht.

Und jetzt komme ich und will euch eure heißgeliebten Videokonferenzen wegnehmen, die dreiviertel Stunde morgens, wo man zumindest die Frühaufsteher Mal halbwegs zu Gesicht bekommt.

Aber sein wir mal ehrlich, egal wie viel oder wenig ihr im Moment meetet, ob nach dem morgendlichen Call den Rest des Tages niemand mehr ansprechbar ist oder ihr vor lauter Telcos nicht mehr aufs Klo kommt. So richtig befriedigend ist der aktuelle Zustand einfach nicht.

Auftritt Pairing. Seinen Ursprung hat diese Arbeitsform in der Softwareentwicklung. Beim Pair Programming teilen sich zwei Entwickler einen Computer. Einer steuert, die andere navigiert. So kann ein Gehirn an der aktuellen Aufgabe arbeiten, während das Zweite bei Bedarf aus anderen Blickwinkeln auf das Geschehen schauen kann. Denkfehler, Blockaden oder Durchhänger, die Programmieren schon Mal zur Qual werden lassen sind damit wesentlich leichter zu umgehen. Und wer fürchtet, das nur noch 50% Produktivität dabei heraus kommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Pairing ist anstrengend, aber super produktiv. Steigerungen auf das doppelte Output sind belegt.

Doch nicht nur im selben Gewerk hilft Pairing, nicht stecken zu bleiben. Auch übergreifend können unterschiedliche Kompetenzen zu um Längen besseren Ergebnissen führen. Eine Projektmanagerin, die ihre Anforderungen mit einem Entwickler schreibt hat beispielsweise wesentlich weniger Schleifen mit ihrem Team zu erwarten als die selbe Person allein. Sogar der Endnutzer kann ein wertvoller Partner sein, schließlich gibt es kaum direkteres Feedback als von jemandem der seine eigenen Bedürfnisse abbilden möchte.

Pairing als solches kann also den verschiedensten Menschen dabei helfen, bessere und schnelle Ergebnisse zu erzielen, effektiver zu sein und mehr Selbstwirksamkeit zu spüren. Alles was ich investiere ist die Bereitschaft zu experimentieren und ungewohnt intensiv zu kollaborieren.

Eine solche Pairing Session kann dabei einen zeitlich begrenzten Rahmen haben, oder – mit Pausen – einen ganzen Tag dauern. Wichtig sind vor allem ein gemeinsames Verständnis, was ihr erreichen wollt, wie ihr erwartet dass eure Kompetenzen dazu beitragen können und – eine offene Kamera und ein geteilter Screen. Manchmal arbeitet ihr auch parallel an unterschiedlichen Stellen, dann ist es OK sich 30 Minuten Mal nichts zu sagen. Im Grunde braucht ihr nicht Mal den selben Kontext. Wählt ein Thema, wählt eine Timebox. Und los geht’s.

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