Tooling – Der Relaunch der 5 Jahre dauern sollte

Posted by on Jan 12, 2014 | No Comments

toolingEine neue Website ist heute einfacher zu erstellen als je zuvor. Eine grundlegende Präsenz im Internet z.B. über wordpress.com aufzusetzen kostet wenige Minuten und keinen Cent. Dennoch habe ich es geschafft, mich über Jahre selbst am Veröffentlichen meiner Artikel zu hindern, indem ich eine Reihe von Ansprüchen an meine Präsenz gestellt habe die im Nachhinein zu nichts beigetragen haben außer das ich eben genau mein erklärtes Ziel nicht erreicht habe – bis jetzt.

Tooling

Im Fachjargon spricht man hier vom Phänomen des Tooling. Ich halte mich selbst davon ab mein eigentliches Ziel – Fachartikel veröffentlichen – zu verfolgen, indem ich mich mit Nebenschauplätzen aufhalte. Sei es das ich anstelle den Duschschlauch im Bad zu reparieren den halben Tag im Baumarkt verbringe. Oder bei der Erstellung eines Posters Stunde um Stunde Font-Bibliotheken zu durchstöbern (würde mir sicherlich nie passieren). Oder eben bei einem Website-Launch anstatt direkt zum Ziel zu kommen erst Umweg um Umweg in Kauf nehme, der sich wie Arbeit anführt, aber im Sinne des eigentlichen Projektes keine ist.

Folgende Sachen habe ich gemacht, ANSTELLE zu relaunchen:

Technisch

Ich wollte ein CMS ohne SQL um leicht migrieren zu können, dafür habe ich:

1. HTML gelernt um überhaupt eigene Seiten erstellen zu können – reichte natürlich nicht, aber wenigstens habe ich so zwischen den CMS immer wieder händisch neue Seiten erstellen können; natürlich mit neuem Design jedes Mal und händischem Update des Contents.

2.  Ruby gelernt um ein eigenes CMS zu schreiben – viel zu viel Aufwand und letzten Endes nach mehreren Anläufen nicht erfolgreich. Nebenher noch einem Ruby-Buchautor beim Layouten geholfen.

3. PHP gelernt um ein eigenes CMS zu schreiben – Prototyp mit SQlite erstellt und live genommen, aber Posting & Erweiterung viel zu aufwändig; nach dem Erstellen der Kommentarfunktion war die Luft raus.

Der Clou: Ich habe das CMS nicht ein einziges Mal migriert – und die Übernahme von Artikeln meistens bleiben gelassen, weil mir der manuelle aufwand zu gross war. So viel zur Flexibilität…

Nächstes Mal: Wenn ich eine Internetpräsenz brauche für ein Projekt ist der erste Schritt, eine kostenlose Präsenz anzulegen und direkt loszulegen. Selbst wenn ich sie nicht veröffentliche habe ich dennoch etwas tangibles an dem ich mich orientieren kann. Im Worst Case muss ich die Inhalte händisch zu einer anderen Lösung migrieren – per copy and paste.

Grafisch

Doch nicht nur auf der technischen Seite habe ich Tooling betrieben, denn ich wollte als ausgebildeter Gestalter natürlich auch kein Design von der Stange…

Bei meinen Kunden lege ich immer grossen Wert darauf, dass die äussere Erscheinung des Brands sehr gut zum Unternehmen passt. Ein gekauftes Template kam da früher in den seltensten Fällen infrage – heute sind Themes qualitativ besser und auf Anpassung ausgelegt. Dennoch mache ich mir hier lieber ein bisschen zu viel Gedanken als einen Brand unscharf rüber komme zu lassen. Auch für meine eigene Website musste also ein eigenes Design her.

Das bei den vielen unterschiedlichen Systemen und der sich rasant verändernden Weblandschaft in den letzten 5 Jahren allerdings dutzende Neuauflagen – grafische und technische eingerechnet – dabei rauskommen sollten ist im Nachhinein bedauerlich. Auch die Zeit die ich versucht habe ohne grossen Mitteleinsatz für das final verwendete WordPress ein Theme anzupassen hätte ich wesentlich sinnvoller investieren können.

Inhaltlich

Wenn ich in der Zeit wenigstens Artikel geschrieben hätte, hätte ich sie – wie hier geschehen – Kollegen und Blogs wie Dr. Web (vor deren Relaunch) als Gastartikel einreichen können. Doch weil ich große Mengen an Zeit mit Tooling zubrachte fehlte für das eigentliche Ziel, Fachartikel, schlicht die Zeit. Das ist auch deshalb so gefährlich, weil es echter Arbeit ähnlicher sieht als „klassische“ Prokrastination und damit vor Dritten, aber vor allem uns selbst gegenüber viel leichter zu rechtfertigen ist. Im Grunde ist sie ein und dasselbe – ich beschäftige mich mit Dingen die nicht direkt dazu beitragen, dass ich mein gestecktes Ziel erreiche. Auch wenn ich auf den Umwegen Dinge gelernt haben mag die mir heute die Arbeit leichter machen – den ersten Wurf, den Prototyp, das minimum viable Product erreicht zu haben ist eine um Längen bessere Grundlage zum Lernen als zielloses Tooling.

Wo lasst Ihr euren Fokus schleifen und betreibt Tooling? Und tut ihr es nur für eure privaten Projekte oder erlebt ihr es auch im beruflichen Kontext?

Berthold Barth
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